Interview mit der Schauspielschülerin Karina Pele


 

Die Athanor Akademie ist eine staatlich anerkannte Akademie für Schauspiel und Regie für Theater und Film, die Mitte diesen Jahres von Burghausen nach Passau umgezogen ist. Sie wurde 1995 gegründet und wird von Prof. Dr. David Esrig geleitet. Der Name der Akademie „Athanor“ ist an das aramäische Wort „Schmelzofen“ angelehnt und wurde von den Alchemisten als Synonym für die Goldherstellung verwendet.

Wir durften mit einer Studentin der Akademie sprechen. Ihr Name ist Karina Pele. Sie ist 24 Jahre alt und kommt ursprünglich aus der Nähe von Mannheim. Karina gehört praktisch schon zu den alten Hasen an der Akademie, denn sie wird Anfang nächsten Jahres ihre Schauspielausbildung dort beenden. Wir haben mit ihr über ihren Alltag an der Akademie gesprochen. Außerdem erzählt sie uns im Interview wie sie zum Schauspiel gekommen ist, von ihren Erfahrungen sowie Wünschen für die Zukunft.

Gibt es einen bestimmten Grund, weshalb du dich für das Schauspielstudium entschieden hast?
Karina Pele: Es gab jetzt kein Schlüsselerlebnis oder so etwas in der Richtung, das mich beeinflusst hätte. Auch die Theater AG in der Schule fand ich nie besonders interessant oder herausfordernd. Ich weiß aber, dass ich diese Idee schon lange mit mir herumgetragen habe. Nach meinem Abitur 2010 habe ich dann begonnen dieser Idee konkret nachzugehen. Schon als Kind fand ich die Vorstellung, irgendwann mal als Schauspielerin auf der Bühne zu stehen, faszinierend. Ich habe meine Familie immer gerne unterhalten und Quatsch gemacht. Es waren eben dann auch meine Eltern, vor allen Dingen aber meine Mutter, die mich in meinem Vorhaben unterstützt haben. Sonst hätte ich diesen Gedanken womöglich auch gar nicht weiter verfolgt.

Und wie ging es dann weiter nach deinem Abitur?

Karina Pele: Ich habe bei verschiedenen Schauspielschulen vorgesprochen, sowohl bei staatlichen als auch privaten.

Wie muss man sich so ein Vorsprechen vorstellen? Gibt es Unterschiede zwischen öffentlichen und staatlichen Einrichtungen?

Karina Pele: Von der inhaltlichen Ebene her, also von dem, was man vortragen muss, gibt es keine großen Unterschiede. Die Stimmung beim Vorsprechen selbst weicht allerdings erkennbar voneinander ab. Bei der staatlichen habe ich mich wie in einem großen Haifischbecken gefühlt. Wir waren dort ungefähr fünfzig Leute, die alle in einem Flur auf ihren Turnus warteten und du konntest die Spannung zwischen den einzelnen Kandidaten genau fühlen. Das Auswahlkomitee bestand aus drei Dozenten, vor denen ich jeweils drei Monologe aus verschiedenen Epochen vorspielen musste. Das lief dort alles sehr schnell ab. Ich hatte gar nicht richtig die Zeit mich in einen Monolog einzufühlen, da musste ich schon den nächsten vorstellen. Auch ein Feedback habe ich nicht bekommen. Ob du ausgewählt wurdest, erfuhr man über einen Anrufbeantworter, auf dem die Namen von denen aufgesagt wurden, die weiter gekommen sind.

Wie war es dann bei der Athanor Akademie, bei der du jetzt auch studierst?

Karina Pele: Dort habe ich mich von Anfang an sehr wohl gefühlt. Schon beim Vorsprechen herrschte ein sehr familiäres Verhältnis. Sogar die Jahrgänge über uns haben sich interessiert an uns gezeigt und haben uns Fragen gestellt. So kam man ins Gespräch und fühlte sich gleich als ein Teil der Gruppe. Der Ablauf des Vorsprechens war sehr ähnlich. Der einzige Unterschied war, dass in dem Auswahlgremium viel mehr Personen saßen. Neben Herrn Esrig, dem Direktor der Akademie, war dort auch jeder Fachbereich vertreten. Das fand ich gut. Ich hatte das Gefühl, so entsteht ein kompletteres Bild von den Stärken, die man mitbringt, aber auch den Bereichen, die bei einem noch ausbaufähig sind. Außerdem wollten sie auch wissen, was für theoretische theaterrelevante Grundlagen ich schon mitbringe.

Wie ist der Unterricht in der Akademie? Was macht ihr?

Karina Pele: Gerade die Anfangszeit ist sehr ausgefüllt, was aber gut ist, denn so entwickelt man sich schnell weiter. Im ersten halben Jahr hatten wir viele Improvisationsübungen. Damit haben wir geübt uns schnell in eine Rolle oder Situation reinzudenken und haben so unsere Fantasie und Kreativität gestärkt. Wir hatten natürlich auch Theoriestunden, wie Film- oder Theatergeschichte. Danach haben wir angefangen die schauspielerische Fähigkeit weiter zu vertiefen. In der Zeit haben wir sehr viel mit Herrn Esrig an der Shakespeare-Collage zusammengearbeitet. In unsere Ausbildung ist aber auch Tanz und Musik integriert. Im Bereich Tanz haben wir die Grundlagen von Ballett gelernt sowie historische Tänze. Aus Paris kommt jedes Jahr Yves Marc, der uns in Mimik und Ausdruck des Körpers unterrichtet. Das sind jetzt nur ein paar Bereiche unserer Ausbildung. Natürlich sind auch Gesang, Regie oder Bühnen- und Filmtechnik wichtige Teile innerhalb der vierjährigen Ausbildung.

Du befindest dich bereits in der Abschlussphase deines Studiums. Hast du schon konkrete Vorstellungen, Träume, Wünsche, wie es danach weitergehen soll?

Karina Pele: Ich würde sehr gerne an so vielen Theaterhäusern wie möglich spielen, um so viele Eindrücke wie möglich zu sammeln. Aber auch Film interessiert mich sehr. Am liebsten würde ich Film und Theater miteinander verbinden. Immer hundert Prozent zu geben ist mir dabei besonders wichtig! So wird jede Rolle zu deinem Baby.

Gibt es eine bestimmte Rolle, die du gerne mal spielen würdest?

Karina Pele: Ich würde ganz gerne mal was total Verrücktes spielen, eine Psychopathin zum Beispiel. Die Herausforderung liegt darin, sich nicht in der Rolle zu verlieren und nach Drehschluss das Gefühl, das man mit dieser Rolle verbindet, abzulegen – sich davon zu lösen. Mein Opa hat das dieses Jahr in einem Satz sehr gut zusammengefasst. „Für deinen Beruf braucht man gute Bremsen“, meinte er zu mir. Das fand ich sehr passend. Mein Abschlussstück würde ich auch gerne nochmal spielen. Das war „Nach dem Regen“ von Sergi Belbel. Das Stück hat großen Spaß gemacht. Auch das Bühnenbild war durch seine Schräge ein besonderer Ansporn.

Kommen wir zur letzten Frage, Karina. In den vier Jahren Ausbildung, hattest du da einen besonderes Erlebnis, vielleicht sogar ein Schlüsselmoment?

Karina Pele: Ich glaube, auf der Bühne gibt es immer wieder kleine Schlüsselmomente oder Aha-Erlebnisse. Aber ich habe dieses Jahr für mich eine ganz besondere Erfahrung bei Ros, meiner Stimmdozentin, gemacht. Sie kommt aus Schottland und ist ebenfalls eine unserer Gastdozenten. Anfang März hat sie uns ein bestimmtes Stimmtraining gezeigt. Es geht bei diesem Training darum, einfach mal nicht nachzudenken, sondern einen Ton anzuschlagen und so lange wie möglich zu halten. Man muss dabei versuchen seinen Körper machen zu lassen und die Kontrolle abzugeben. Ich weiß nicht genau was passiert ist, aber irgendwas hat sich gelöst. Ich glaube bis dahin habe ich mich immer etwas zurückgenommen und bin nicht völlig aus mir herausgegangen. Das war ein ziemlicher Hammer-Moment für mich, weil ich gemerkt habe, wie sich meine inneren Barrieren gelöst haben.


kultürlich-Autorin: Vanessa Albrich


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