Reel Rock 9: Kletterkultur im Wandel

© Reel Rock 9

Vergangene Woche tourte die neunte Reel Rock Kletterfilm-Tour mit dem Film „Valley Uprising“  nach Freinberg. Als Autorin des Outdoor-Blogs OutZeit Passau wollte ich natürlich unbedingt diesen Film sehen, schließlich klettere ich gerne und bin verrückt nach Outdoor-Filmen. Da sich der Film jedoch nicht einfach nur ums Klettern an sich dreht, sondern auch um die Kletterkultur, die sich seit den 50er Jahren im Yosemite Valley in den USA ständig weiterentwickelt, und weltweit Pionierarbeit leistete, berichte ich heute auf dem Kulturblog kultürlich über meine Eindrücke.

Dort, wo ich sonst an den Toprope-Wänden hänge, saß ich nun am Donnerstagabend zwischen den Vorstiegs-Hängen der Kletterhalle Grenzenlos Klettern in Freinberg, keine 10 Minuten von Passau entfernt. Wo könnte die Atmosphäre besser sein für einen Kletterfilm?

Aber nun zum Inhalt:

Die Leitfrage why people climb walls zog sich durch den ganzen Film, und recht schnell wurde man mit der Leidenschaft für hohe Felswände infiziert, immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass Profikletterer auch ein wenig verrückt sein müssen. Nicht umsonst wird das Yosemite Valley als das Gebirge der Legenden bezeichnet.

Begonnen hat der Kletterwahnsinn in den 50er Jahren, im Golden Age. Als der Nachkriegsalltag wieder sehr bequem und manchen eben einfach zu langweilig wurde, entwickelte sich die sogenannte „Rucksack-Revolution“ und Klettern als „Sport der Gegenkultur“. Die Kletterer von damals, die Landstreicher,  wollten einfach fürs Klettern leben, viel feiern und viel Alkohol trinken. So wurden die Aussteiger und das von ihnen begründete Camp 4 im Yosemite Valley der wohlhabenden Gesellschaft schnell ein Dorn im Auge, nicht nur vor Neid wegen ihrer Gelassenheit, sondern auch wegen ihrer Fitness und der Beliebtheit bei den jungen Frauen.

© Reel Rock 9
In den 70er Jahren fand eine weitere Revolution statt, als die Stonemasters, oder auch Stoned Masters, Weed-rauchende  Kletterfreaks, das Valley dominierten. Zur gleichen Zeit kam es im Nationalpark zu Aufständen und Protesten gegen den Vietnamkrieg, die zwar von Hippies durchgeführt, aber den Kletterern in die Schuhe geschoben wurden. So wuchs auch der Konflikt mit den Park-Rangern. Das schlechte Image der Kletterer wurde nur kurzzeitig aufgehoben, als ein kolumbianisches  Flugzeug im Valley abstürzte: Die Stonemasters fanden Tonnen Marihuana am Unfallort. Ehe die Ranger davon erfuhren, war ein Großteil verkauft und verraucht. Auf einmal besaßen die Kletterer viel Geld, das sie in den Bars, Restaurants und Geschäften des Nationalparks ausgeben konnten. Mit dem Geld kam es aber auch zum Streit. Manche Kletterer sahen sich nicht mehr als Puristen, sondern widmeten sich dem Sportklettern um Geld und Popularität zu verdienen.  Die Community zerbrach und der Park entwickelte sich mit steigenden Campingplätzen immer mehr zur Touristenattraktion.

Seit den 90er Jahren machen die Stone-Monkeys das Valley unsicher. Sie zeichnen sich durch ihre sprunghaften und immer gewagteren Kletterschritte aus. Aber durch das amerikanische Gesetz sind pro Kopf im Yosemite Nationalpark nur noch 7 Tage Aufenthalt im Jahr erlaubt, was eine Existenzbedrohung für die Kletterer bedeutet. Die Möglichkeit, neue Routen auszuprobieren, sich Monate lang einer Wand zu widmen, ist nicht mehr möglich. Die einstige Freilebigkeit wird durch die illegale Freiheit ersetzt, die sich manche heimlich erlauben, aber somit auch Bußgeld und eine Freiheitsstrafe in Kauf nehmen. Aber verrückt sind sie ja – und kühn – die Kletterer des Yosemite Valley!

Wenn die Kletterhalle zum Kino wird... © Simone Schiffer

Fazit:

Ein hervorragender Film mit sehr viel Charme, Witz und Spannung. Beeindruckende Aufnahmen von einer faszinierenden Landschaft.

Die Produktion des Films zog sich über sieben Jahre hin: Bilder aus einem halben Jahrhundert wurden gesammelt und in 3D verarbeitet, damit wir die Geschichte des wohl bedeutendsten Kletterareals bestaunen können!
Absolut empfehlenswert!





Wollt ihr wissen, wer eigentlich die nennenswerten Kletterpersönlichkeiten sind und wie sich der Klettersport in den letzten 65 Jahren entwickelt hat? Dann solltet ihr demnächst unbedingt bei OutZeit Passau reinklicken. Simone wird euch dort im zweiten Teil des Artikels nämlich alles über die Legenden des Yosemite Valley und die Kletterleistungen an der 900 Meter hohen Wand El Capitan erklären. Mehr Infos zum Folgeartikel gibt es bald auf  https://www.facebook.com/outzeit.passau.
Seid gespannt!



© Simone Schiffer

Zu unserer Gastautorin: 

Für Simone steht fest: Draußen in der Natur zu sein ist sehr viel schöner als auf dem Sofa zu sitzen. Deshalb berichtet sie auf ihrem Outdoor-Blog OutZeit Passau regelmäßig über abwechslungsreiche Ausflugsziele für Wanderer und Wintersportler, sowie ideale Strecken für Jogger in Passau und Umgebung.
Und natürlich ist sie immer auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, ihre Freizeit in der Natur zu verbringen.






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